
Der Mechaniker wusste bereits, warum dieser Volkswagen Polo in die Werkstatt kam, noch bevor das Auto überhaupt vorfuhr — es brauchte mit hoher Wahrscheinlichkeit Fahrwerksreparaturen. Wie konnte er das so schnell herausfinden?
Als das Fahrzeug über die Bodenwelle am Werkstatteingang fuhr, gab das Fahrwerk laute, deutliche Knarzgeräusche von sich. Das Quietschen hallte sogar aus dem Unterboden nach, sobald der Fahrer ausstieg, wobei der Klang eindeutig von der vorderen linken Seite kam.
Der Besitzer sagte, dass dieses knarrende Fahrwerksgeräusch schon seit langer Zeit vorhanden sei. Früher habe es keine solchen ungewöhnlichen Geräusche gegeben, und er bat den Mechaniker, das Auto anzuheben, um zu prüfen, ob etwas am unteren Querlenker oder an zugehörigen Teilen defekt sei.
Nachdem der Mechaniker das Fahrzeug angehoben und den Unterboden inspiziert hatte, identifizierte er sofort die Ursache des ungewöhnlichen Geräuschs. Wie auf dem Bild zu sehen: Die vom rechten Pfeil markierte Stelle ist die Quelle des abnormalen Geräuschs, während die linke Seite den normalen Zustand zeigt. Der Mechaniker prüft die Baugruppe mit einem Montierhebel.
Zunächst betrachten wir den intakten unteren Querlenker. Das folgende Bild zeigt die rechte Einheit. Ihre Buchse ist am Hilfsrahmen (Subframe) montiert und hat nur an den Verschraubungspunkten Kontakt, sonst nirgends.
Nun vergleichen wir den defekten vorderen linken unteren Querlenker. Wie im roten Bereich im Bild unten hervorgehoben, ist die Aufnahmeposition am Hilfsrahmen für die Querlenkerbuchse stark verformt. Man sieht direkten Metall-auf-Metall-Kontakt zwischen dem Hilfsrahmen und dem unteren Querlenker selbst.
Wenn das Fahrzeug über unebene Straßen fährt, bewegt sich der untere Querlenker und erzeugt Knarzgeräusche an der Kontaktstelle mit dem Hilfsrahmen.
Der Mechaniker fragte den Fahrzeughalter, ob das Fahrwerk zuvor einen starken Aufprall oder eine Bodenberührung erlitten habe.
Wie sollte das nun repariert werden?
Der Mechaniker erklärte, dass aufgrund des Aufprallbereichs sowohl der Hilfsrahmen als auch der untere Querlenker verformt sind, was bedeutet, dass sich die Fahrwerksgeometrie verschoben hat. Die richtige Reparaturlösung ist der Austausch des gesamten Hilfsrahmens, was jedoch mit relativ hohen Kosten verbunden ist.
Nach dem Kostenvoranschlag zögerte der Fahrzeughalter. Da der Ersatz-Hilfsrahmen vorerst nicht auf Lager war, bat er den Mechaniker, das Fahrzeug abzusenken, damit er nach Hause fahren und darüber nachdenken könne.
Werfen wir auch einen Blick auf die Hinterradaufhängung. Wie im Bild unten zu sehen, handelt es sich um eine Torsionslenker-Halbeinzelradaufhängung, bei der bei der Inspektion keine Fehler festgestellt wurden.
Bei der Inspektion aller vier Räder wurden keine Mängel festgestellt.
Der Mechaniker erklärte dem Besitzer, dass der Volkswagen Polo eine geringe Bodenfreiheit hat, typisch für gewöhnliche Limousinen. Fahrer sollten beim Fahren über unebene Straßen besonders vorsichtig sein. Die Werkstatt hat bereits zahlreiche Fahrzeuge mit beschädigten Getriebeölwannen nach solchen Aufprallen repariert.